Wenn ein geliebter Mensch plötzlich auf Hilfe im Alltag angewiesen ist, stehen viele Familien vor einer großen Herausforderung: Wie lässt sich die Betreuung rund um die Uhr sicherstellen – und das möglichst verlässlich, menschlich und bezahlbar? Eine Möglichkeit, die immer häufiger in Betracht gezogen wird, ist die sogenannte 24-Stunden-Betreuung. Dabei lebt eine Betreuungskraft direkt im Haushalt der pflegebedürftigen Person und übernimmt Aufgaben wie Grundpflege, Haushaltsführung oder einfach die wichtige Gesellschaft im Alltag.
Doch schon bei der Organisation dieser Betreuungsform tauchen Fragen auf: Soll ich eine Agentur beauftragen – oder traue ich mir zu, alles privat zu organisieren? Welche rechtlichen und finanziellen Aspekte muss ich beachten? Und wo lauern mögliche Fallstricke?
In diesem Ratgeber geben wir Ihnen einen umfassenden Überblick über beide Wege: Betreuung über eine Vermittlungsagentur und die private Organisation. Wir zeigen Ihnen Vor- und Nachteile, rechtliche Hintergründe, typische Kosten und geben Entscheidungshilfen – damit Sie die für Ihre Situation passende Lösung finden.
Inhalt des Beitrags
Was leistet eine Vermittlungsagentur?
Sobald Sie sich mit dem Thema 24-Stunden-Betreuung beschäftigen, werden Sie feststellen: Der einfachste und häufigste Weg zur passenden Betreuungskraft führt über eine Vermittlungsagentur. Aber was genau macht so eine Agentur eigentlich – und was haben Sie davon?
Rundum-sorglos-Paket für die Familie
Eine seriöse Agentur nimmt Ihnen einen Großteil der Organisation ab. Sie klärt mit Ihnen gemeinsam den genauen Betreuungsbedarf, sucht passende Betreuungskräfte aus einem bestehenden Pool und stellt Ihnen Profile zur Auswahl vor. Nach Ihrer Entscheidung kümmert sie sich um die Anreise, den Wechsel der Betreuungskräfte in regelmäßigen Abständen und steht Ihnen bei Fragen oder Problemen als Ansprechpartner zur Seite.
Gerade wenn schnell Hilfe benötigt wird, ist das ein großer Vorteil: Häufig kann die Betreuung innerhalb weniger Tage starten.
Rechtlich auf der sicheren Seite
Ein weiterer Pluspunkt: Gute Agenturen achten darauf, dass die Betreuungskräfte legal beschäftigt sind – meist über ein entsendetes Arbeitsverhältnis aus dem EU-Ausland. Dabei kommt auch die sogenannte A1-Bescheinigung ins Spiel: Dieses Formular bestätigt, dass die Pflegekraft in ihrem Herkunftsland sozialversichert ist. So sind Sie als Familie vor rechtlichen Unsicherheiten geschützt und müssen sich nicht mit komplexen arbeitsrechtlichen Vorgaben auseinandersetzen.
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Private Organisation: Alles selbst in die Hand nehmen
Vielleicht sind Sie jemand, der Dinge lieber selbst regelt. Oder Sie möchten mehr Einfluss auf die Auswahl der Betreuungskraft haben. Dann könnte die private Organisation einer 24-Stunden-Betreuung für Sie interessant sein. Doch dieser Weg bringt nicht nur mehr Gestaltungsspielraum, sondern auch mehr Verantwortung mit sich.
Zwei Wege zur privaten Betreuung
Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können die Betreuungskraft direkt anstellen, also selbst zum Arbeitgeber werden – inklusive Gehaltsabrechnung, Sozialabgaben und Arbeitsvertrag. Oder Sie arbeiten mit einer selbstständigen Betreuungskraft, die auf eigene Rechnung tätig ist. Letzteres klingt im ersten Moment einfacher, birgt jedoch rechtliche Risiken, insbesondere das Thema Scheinselbstständigkeit, das Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten.
Organisation ist alles
Ohne Agentur übernehmen Sie alle organisatorischen Aufgaben selbst: von der Personalsuche über die Vertragsgestaltung bis hin zur Klärung von Versicherungsfragen. Auch bei einem Ausfall der Betreuungskraft müssen Sie sich selbst um Ersatz kümmern.
Besonders herausfordernd kann die Kommunikation sein, da viele Betreuungskräfte aus Osteuropa kommen und nicht immer fließend Deutsch sprechen. Wenn Sie diesen Weg wählen, sollten Sie also Zeit, Nerven – und idealerweise ein paar Sprachkenntnisse – mitbringen. Dafür haben Sie volle Kontrolle und persönliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Vor- und Nachteile im Vergleich: Agentur oder selbst organisieren?
Sobald Sie sich intensiver mit der 24-Stunden-Betreuung beschäftigen, stellt sich die entscheidende Frage: Gehe ich den Weg über eine Agentur oder organisiere ich alles privat? Beide Modelle haben ihre ganz eigenen Stärken – aber auch Schwächen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wichtigsten Unterschiede, damit Sie besser einschätzen können, welches Modell zu Ihnen passt.
Die Vorteile einer 24-Stunden-Betreuung mit Agentur
- Rechtssicherheit: Seriöse Agenturen sorgen dafür, dass die Betreuungskraft legal beschäftigt ist – meist durch Entsendung aus dem EU-Ausland inklusive A1-Bescheinigung.
- Wenig Aufwand für Sie: Von der Suche bis zur Vertragsabwicklung übernimmt die Agentur den Großteil der Organisation.
- Ersatz bei Ausfall: Wird die Pflegekraft krank oder kann nicht anreisen, kümmert sich die Agentur um Ersatz.
- Schnelle Verfügbarkeit: In vielen Fällen kann die Betreuung innerhalb weniger Tage starten.
- Ansprechpartner bei Problemen: Sie haben jederzeit eine Stelle, an die Sie sich wenden können.
Die Nachteile einer 24-Stunden-Betreuung mit Agentur
- Zusätzliche Kosten: Neben dem Gehalt der Betreuungskraft fallen Vermittlungsgebühren oder Monatspauschalen an.
- Weniger Mitspracherecht: Die Auswahl der Betreuungskraft erfolgt meist durch die Agentur – ein persönliches Kennenlernen vorab ist oft nicht möglich.
- Kündigungsfristen: Manche Anbieter arbeiten mit längeren Kündigungsfristen, was Sie vorher prüfen sollten.
Die Vorteile der privaten Organisation
- Volle Kontrolle: Sie wählen Ihre Betreuungskraft selbst aus und gestalten das Arbeitsverhältnis individuell.
- Kostenersparnis möglich: Ohne Agentur entfallen Vermittlungsgebühren – das kann das Gesamtpaket günstiger machen.
- Persönlicher Kontakt: Sie können Ihre Betreuungskraft schon vorab im Gespräch kennenlernen.
Die Nachteile der privaten Organisation
- Hoher Aufwand: Sie sind für alle Verträge, Abrechnungen, Anmeldungen und Vertretungen selbst verantwortlich.
- Rechtliche Risiken: Besonders bei selbstständigen Kräften droht das Risiko der Scheinselbstständigkeit.
- Keine Unterstützung bei Ausfällen: Fällt die Kraft aus, müssen Sie selbst für Ersatz sorgen.
Wie Sie sehen, ist die Entscheidung nicht pauschal zu beantworten – es kommt ganz auf Ihre Situation und Wünsche an.
Die beste Betreuung ist die, die zu Ihnen passt. Teilen Sie uns Ihre Situation mit – wir beraten Sie individuell und helfen bei der Auswahl der passenden Pflegekraft.
Ihre 24-Stunden-Pflege zu Hause
Suchen Sie eine vertrauensvolle 24-Stunden-Pflegekraft? Wir helfen Ihnen, die passende Betreuung für Ihre Angehörigen zu finden – individuell, liebevoll und kompetent. Entdecken Sie die Vorteile einer Betreuung in den eigenen vier Wänden – sicher, geborgen und ganz nach Ihren Wünschen.
Jetzt Pflegekraft findenRechtliches und Organisatorisches bei der privaten Organisation
Wenn Sie sich für die private Organisation der 24-Stunden-Betreuung entscheiden, gewinnen Sie zwar mehr Kontrolle – müssen sich aber auch mit einigen rechtlichen und bürokratischen Themen auseinandersetzen. Denn sobald Sie selbst zur Arbeitgeberin oder zum Arbeitgeber werden, kommen Pflichten auf Sie zu, die Sie kennen sollten.
Direkte Anstellung: Sie werden zur Arbeitgeberin bzw. zum Arbeitgeber
Stellen Sie eine Betreuungskraft direkt an, tragen Sie die volle Verantwortung. Das beginnt mit der korrekten Anmeldung bei der Sozialversicherung und reicht bis hin zur Erstellung eines schriftlichen Arbeitsvertrags, der Arbeitszeiten, Urlaubsansprüche und Lohn regelt. Auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, gesetzlicher Kündigungsschutz und die Abführung von Steuern gehören dazu.
Vergessen Sie nicht: Sie müssen auch regelmäßig Gehaltsabrechnungen erstellen oder einen Lohnbuchhalter beauftragen. Klingt nach viel? Ist es auch – aber mit etwas Vorbereitung durchaus machbar.
Selbstständige Betreuungskräfte: Achtung, Scheinselbstständigkeit!
Ein vermeintlich einfacher Weg scheint die Zusammenarbeit mit einer selbstständigen Pflegekraft zu sein. Diese Variante bringt aber ein großes Risiko mit sich: das der Scheinselbstständigkeit. Wird die Betreuungskraft beispielsweise ausschließlich für Sie tätig, ist in Ihre Tagesabläufe eingebunden und wirtschaftlich von Ihnen abhängig, könnte das rechtlich als verdecktes Arbeitsverhältnis gewertet werden. Im schlimmsten Fall drohen Nachzahlungen und Bußgelder.
Unser Tipp: Wenn Sie diesen Weg gehen möchten, lassen Sie sich im Vorfeld rechtlich beraten – zum Beispiel bei der Deutschen Rentenversicherung oder einem Fachanwalt. So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen und stellen sicher, dass Ihre Betreuung legal und sicher abläuft. Lieber einmal zu viel gefragt als zu wenig!
Kostenvergleich: Was kostet welche Variante wirklich?
Egal, ob mit Agentur oder in Eigenregie, 24-Stunden-Betreuung ist eine Investition. Umso wichtiger ist es, vorab einen realistischen Überblick über die zu erwartenden Kosten zu haben. Denn neben dem Gehalt der Betreuungskraft gibt es noch einige weitere Posten, die Sie nicht unterschätzen sollten.
Betreuung mit Agentur: Rundum-Service hat seinen Preis
Entscheiden Sie sich für eine Agentur, bewegen sich die monatlichen Gesamtkosten in der Regel zwischen 2.300 und 3.200 Euro – je nach Anbieter, Betreuungsumfang und Deutschkenntnissen der Betreuungskraft. Darin enthalten sind neben dem Gehalt meist auch Unterkunft, Verpflegung, Anreisekosten sowie die Servicepauschale der Agentur.
Vorteil: Sie zahlen eine feste Summe und haben meist eine transparente Kostenstruktur.
Private Organisation: Möglich günstiger, aber nicht automatisch
Organisieren Sie die Betreuung selbst, können die reinen Lohnkosten zwar geringer sein (z. B. 1.800–2.200 Euro brutto bei Anstellung), aber Sie müssen weitere Posten einkalkulieren: Sozialabgaben, Versicherungen, Unterkunft, Verpflegung, mögliche Ersatzkräfte oder Lohnfortzahlung bei Krankheit. Zudem kann der Verwaltungsaufwand Zeit und ggf. externe Hilfe kosten.
Tipp: Erstellen Sie eine detaillierte Kostenübersicht und vergleichen Sie beide Varianten. Auch scheinbar „günstigere“ Modelle können am Ende teurer werden – wenn man Zeit, Aufwand und rechtliche Risiken mit einrechnet. Transparenz zahlt sich aus!
Für wen eignet sich welche Lösung?
Die Entscheidung zwischen Agentur und privater Organisation hängt stark davon ab, welche Rahmenbedingungen Sie mitbringen – sowohl finanziell als auch organisatorisch. Es gibt kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch, sondern nur das Modell, das zu Ihrer persönlichen Situation passt.
Die Agentur-Lösung: Ideal für Entlastung und Sicherheit
Wenn Sie beruflich stark eingespannt sind, wenig Erfahrung mit rechtlichen Themen haben oder einfach sicherstellen möchten, dass „alles richtig läuft“, ist eine Agentur oft die bessere Wahl. Sie erhalten ein Komplettpaket, das Ihnen viel Arbeit abnimmt – auch im Krankheits- oder Urlaubsfall der Betreuungskraft. Besonders empfehlenswert ist dieser Weg für Familien, die schnell und zuverlässig eine Betreuung benötigen.
Die private Organisation: Für Selbstmacher mit Zeit und Know-how
Haben Sie Erfahrung im Umgang mit Behörden, scheuen den Papierkram nicht und möchten selbst entscheiden, wer bei Ihnen einzieht? Dann kann die private Organisation eine gute Alternative sein – vorausgesetzt, Sie nehmen sich die Zeit für die nötige Vorbereitung. Auch ein Netzwerk aus Familie oder Bekannten, das im Notfall einspringen kann, ist hier von Vorteil.
Unser Tipp: Sprechen Sie offen in der Familie über Kapazitäten, Erwartungen und Sorgen. Eine realistische Selbsteinschätzung ist der erste Schritt zur richtigen Entscheidung – und zur passenden Pflegeform für Ihre Angehörigen.
Ihr Weg zur passenden Betreuung – gut informiert entscheiden
Die Entscheidung für eine 24-Stunden-Betreuung ist ein großer Schritt – aber einer, der viel Entlastung und Sicherheit bringen kann. Ob Sie sich für eine Vermittlungsagentur entscheiden oder die Organisation selbst in die Hand nehmen, hängt ganz von Ihren persönlichen Möglichkeiten und Wünschen ab. Beide Wege haben ihre Berechtigung und können gut funktionieren, wenn sie sorgfältig geplant und umgesetzt werden.
Wichtig ist: Informieren Sie sich gründlich, vergleichen Sie die Optionen und holen Sie sich bei Unsicherheiten Unterstützung – sei es rechtlich, organisatorisch oder emotional. Denn am Ende zählt nur eines: dass Ihr Angehöriger liebevoll, zuverlässig und sicher betreut wird – und Sie selbst dabei nicht untergehen.
Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl und auf gute Vorbereitung – dann sind Sie auf dem richtigen Weg!







