Betreuerin aus Polen mit pflegebedürftiger Seniorin

Immer mehr pflegebedürftige Senioren leben mit einer Betreuungskraft aus Polen zusammen. Das auch unter dem Namen 24-Stunden-Betreuung bekannte Modell ist inzwischen fester Bestandteil der Pflege in Deutschland.

Doch anfangs herrschen oft noch Vorbehalte gegen eine Betreuung aus Osteuropa. Neben rechtlichen Problemen fürchten einige Senioren vor allem, dass das Zusammenleben mit einer Betreuungskraft aus Polen nicht harmoniert.

Besondere Bedenken haben viele Familien im Bereich der Sprachkenntnisse und bei den kulturellen Unterschieden. Wie das Zusammenleben mit einer Betreuung aus Polen aussehen kann und welche Hürden dabei im Alltag zu überwinden sind, zeigen wir Ihnen auf.
 


 


Betreuungsbeginn: Anreise aus Polen

Bevor die Betreuung letztendlich beginnt, reist die Betreuungskraft im Regelfall aus Polen an. Diese Anreise kann im ungünstigsten Fall bis zu 10 Stunden andauern und ist erfahrungsgemäß kräftezehrend. Daher ist es völlig normal, dass die Betreuungskraft zunächst möglicherweise etwas Ruhe und Eingewöhnungszeit benötigt.

Im Vorfeld sollte bereits ein Zimmer für die Betreuungskraft ausgestattet worden sein. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Nachdem die Betreuungskraft aus Polen sich zunächst etwas eingerichtet hat, sollten Sie ausführlich in die Aufgaben einweisen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Da sich zunächst alle Parteien kennenlernen müssen, ist hier ein wenig Geduld gefragt. Häufig lockert die Stimmung nach einigen Tagen spürbar auf, was auch bei der betreuten Person die Bereitschaft zum Zusammenleben mit einer Alltagshilfe aus Osteuropa deutlich erhöht.


Sprachbarrieren am Anfang der Betreuung

Sicher kennen die meisten den Moment, wenn im Urlaub am beim Check-In ins Hotel das gelernte Englisch nicht mehr perfekt sitzt. Ähnlich geht es der Betreuungskraft, die in der Regel mehrere Wochen davor in Polen verbracht hat.

Auch hier sollten Sie der Betreuungskraft etwas Zeit geben, um die Sprachkenntnisse wieder abzurufen. Nach einigen Tagen verläuft die Kommunikation meist deutlich flüssiger als am Anreisetag.

Bei anhaltenden Schwierigkeiten sollte unverzüglich die Vermittlungsagentur kontaktiert werden, denn letztlich beeinflusst die Sprache nicht nur das Zusammenleben, sondern auch den Preis für die Betreuung.

Übersetzungshilfen

Kunden der Pflegehilfe für Senioren haben die Möglichkeit eine Übersetzungsgerät hinzu zu buchen. In ein solches Gerät wird ein Satz eingesprochen und in die Muttersprache der Betreuungskraft übersetzt.

 


Kulturelle Barrieren zwischen Polen und Deutschland gering

Häufig fürchten Senioren, dass die kulturellen Barrieren zur Betreuungskraft aus Polen zu groß seien, um dauerhaft zusammenleben zu können. Die Praxis zeigt jedoch das Gegenteil. Kulturell sind Polen und Deutschland eng verbunden.

So ähneln sich einige Bräuche und viele Traditionen gibt es in ähnlicher Form auch in Deutschland. Generell lässt sich sagen, das traditionelle Werte in vielen polnischen Familien einen hohen Stellenwert haben, was auch einige Senioren besonders schätzen.

Auch die polnische Küche kennt viele Gerichte, die in ähnlicher Form auch in Deutschland serviert werden. Im Allgemeinen gilt die polnische Küche als deftig und herzhaft – ähnliche wie die deutsche.


Alltägliche Routinen bei der Betreuung etablieren

Wie der Alltag mit der Betreuungskraft aus Polen gestaltet wird, hängt stark von den Bedürfnissen und Wünschen der betreuten Person ab. Grundsätzlich kann der Alltag während der Betreuung wie gewohnt weitergeführt werden. Dennoch gibt es einzelne Punkte, bei denen wir empfehlen auch der Betreuungskraft ein wenig entgegen zu kommen.

Um eine möglichst reibungslose Routine zu etablieren, empfehlen wir bereits vor Betreuungsbeginn den Tagesablauf zumindest grob zu skizzieren.

Wir stellen dafür vorgefertigte Tagespläne zur Verfügung, die auf Wunsch übersetzt und entsprechend weitergeleitet werden.

Beispielhafter Tagesablauf einer Betreuungskraft aus Polen

07:30 Uhr Tagesbeginn
Die Betreuungskraft steht auf, bereitet das Frühstück vor und setzt einen Kaffee auf.

08:00 Uhr Unterstützung bei der Morgentoilette
Nach dem Aufstehen erhält die betreute Person Unterstützung bei der morgendlichen Körperpflege



08:30 Uhr gemeinsames Frühstück
Da den Betreuungskräften freie Kost und Logis zur Verfügung stehen, wird das Frühstück gemeinsam eingenommen. Nach dem Essen erinnert die Betreuungskraft noch daran, die Medikamente einzunehmen.



09:00 Uhr bis 11:00 Uhr Hausarbeiten
Während die betreute Person Fernsehen schaut und mit Bekannten telefoniert kümmert sich die Betreuungskraft um die anfallende Hausarbeit. Das kann beispielsweiße die Wäsche, die Reinigung des Haushalts oder das Beziehen der Betten sein.



11:15 Uhr gemeinsame Zubereitung des Mittagsessens
Im Anschluss an die Hausarbeiten beginnt die Zubereitung des Mittagessens. Hier helfen die betreuten Senioren häufig mit. Auf Wunsch motiviert die Betreuungskraft auch zur Mitarbeit, sollte das gewünscht sein.



12:00 Uhr Mittagessen
Das Mittagessen wird wieder gemeinsam eingenommen. Anschließend räumt die Betreuungskraft den Geschirrspüler ein.



12:30 Uhr bis 15:30 Uhr Freizeit für die Betreuungskraft
Während die betreute Person einen Mittagsschlaf hält, hat die Betreuungskraft Freizeit und geht etwas in der Umgebung spazieren, besucht ein Café oder telefoniert mit Freunden und Familie in Polen.



16:00 Uhr bis 18:00 Uhr Besuch von Verwandten
Verwandte besuchen die betreute Person und übernehmen in dieser Zeit die Pflege. Die Betreuungskraft hat währenddessen weiterhin Freizeit.



18:30 Uhr bis 19:00 Uhr Abendessend
Nachdem der Besuch sich verabschiedet hat, bereitet die Betreuungskraft gemeinsam mit der betreuten Person das Abendessen zu. Anschließend wird gemeinsam gegessen.



19:30 Uhr bis 20:30 Uhr Ende des Tages
Am Abend schauen Betreuungskraft und betreute Person gemeinsam bspw. den „Tatort“. Gegen 20:30 Uhr geht die betreute Person zu Bett. Die Betreuungskraft hat nun Freizeit und kann sich für den kommenden Tag ausruhen.

Der beschriebene Tagesablauf zeigt exemplarisch wie ein Tag mit einer polnischen Betreuungskraft aussehen kann. In der Praxis variieren die Aufgaben und Abläufe natürlich und hängen von den Bedürfnissen der zu betreuenden Person ab.
 


Zusammenleben mit einer polnischen Betreuungskraft vereinfachen

Besonders wenn die Betreuungskraft nur geringe Deutschkenntnisse hat und niemand im Haushalt polnisch spricht, können einige Hilfsmittel den Alltag deutlich vereinfachen.

Vor allem sprachliche Hürden lassen sich durch Übersetzungshilfen deutlich reduzieren. Wer nicht auf elektronische Übersetzungsgeräte zurückgreifen möchte, dem empfehlen wir das Buch „Polnisch-Deutsch für die Pflege zu Hause“.

Empfehlenswert ist darüber hinaus die Einrichtung eines Internetanschlusses. Auch wenn manche Gepflogenheiten nicht direkt klar verstanden werden, sind die meisten Betreuungskräfte in der Lage kleine Alltagshürden auch selbstständig im Internet nachzulesen.

Der wichtigste Aspekt für ein harmonisch Zusammenleben ist und bleibt jedoch die zwischenmenschliche Sympathie. Wird die Betreuungskraft nicht akzeptiert, kommt es erfahrungsgemäß immer wieder zu Problemen im Zusammenleben.

Daher sollte bei der Personalauswahl immer die zu betreuende Person mit einbezogen werden und auch der erste Eindruck ein wichtiges Kriterium sein.
 


 

Rückmeldung ist für Betreuungskräfte aus Polen wichtig

Daneben können kleine Dinge im Alltag Wertschätzung zeigen und so beitragen ein angenehmes zwischenmenschliches Klima in der Betreuung zu etablieren. Das kann damit beginnen, dass beispielsweiße Interesse für die polnische Heimat der Betreuungskraft gezeigt wird oder auch explizit nach traditionellen Gerichten und Rezepten gefragt wird.

War die Betreuungskraft besonders engagiert oder hat hervorragend gekocht, empfehlen wir, die Anerkennung dafür auch mitzuteilen. Besonders wenn das Deutsch nicht perfekt ist, herrscht oft Unsicherheit, ob alles zur Zufriedenheit ist. Schließlich ist es in einer Fremdsprache deutlich schwieriger Konnotationen und unterschwellige Botschaften zu verstehen. Über ein Lob bei guter Arbeit freut sich dann nahezu jede Betreuungskraft.


Kosten für eine polnische Betreuung

Eine Betreuungskraft aus Polen kann eine günstige und zugleich sinnvolle Alternative zum Pflegeheim sein. Im Schnitt kostet eine solche Betreuung ca. 2.000 Euro monatlich. Die günstigsten Angebote beginnen bei ungefähr 1.600 Euro, sofern der Betreuungsbedarf überschaubar ist.

Größter Faktor für die Kosten für eine Betreuungskraft aus Osteuropa sind die Sprachkenntnisse und die pflegerische Erfahrung. Als grobe Faustregel kann gelten, dass eine Sprachkategorie höher Mehraufwendungen von ungefähr 150 bis 200 Euro erfordert.

Wichtiger Faktor sind außerdem die Aufgaben vor Ort. Wird beispielsweiße die Betreuung für 2 Personen mit starken Einschränkungen benötigt, spiegelt sich das auch im Preis für die Betreuung wieder.

Zur Finanzierung einer Betreuung aus Polen können dann allerdings verschiedene Förderungen genutzt werden. Am wichtigsten ist das Pflegegeld (bis zu 901 Euro monatlich), die Verhinderungspflege (maximal 2.418 Euro jährlich) und mögliche Steuervorteile.

Der monatliche Eigenanteil schrumpft damit auf 800 bis 1700 Euro. Da der Preis für eine polnische Betreuung individuell ermittelt wird, sollte zunächst ein unverbindliches Angebot eingeholt werden.