Angehörige in der Pflege – von Belastungen erholen

Angehöriger mit Pflegebedürftigem

Wer selbst, wenn auch nur zeitweise, einen lieben Menschen pflegt, weiß um die enormen Belastungen, die dabei auf Angehörige zukommen.  Nicht wenige kämpfen mit enormem Stress, Angstzuständen und Verzweiflung. Verwunderlich ist das nicht, denn häufig bringen Angehörige Beruf, Pflege und das eigene Familienleben „unter einen Hut“.

Über diese Leistung wird zwar wenig gesprochen, doch ohne diesen Einsatz wäre eine menschenwürdige Pflege in Deutschland vermutlich nicht möglich. Viel zu oft bleibt dabei der pflegende Angehörige und die Belastungen für Ihn oder Sie dabei auf der Strecke. Deshalb haben wir für Sie einige Tipps zur effektiven Erholung und Regeneration von den Belastungen als Angehöriger in der Pflege zusammengestellt.
 



Belastungen bei der Pflege Angehöriger erkennen

Bevor pflegende Angehörige sich mit der Erholung beschäftigen, ist es sinnvoll zuerst einmal die besonderen Belastungen zu identifizieren. Nicht jede Pflegesituation ist vergleichbar mit anderen und Menschen können unterschiedlich mit verschiedenen Umständen umgehen. Betrachten Sie daher die Lage auch im Hinblick auf Ihre eigenen Lebensumstände. Ist es vor Allem der Zeitmangel der Kräfte raubt? Habe ich Zukunftsängste?  Schaffe ich die körperlichen Beanspruchungen durch Heben und Lagern? Und kann ich damit umgehen einen geliebten Menschen täglich in einer schwierigen Situation zu begleiten? So oder so ähnlich können die Fragen klingen, die sich Angehörige in der Pflege stellen können um die eigenen Belastungen auszumachen. Hat man die wichtigsten Punkte identifiziert, lässt sich auf diese wesentlich gezielter eingehen.


Angehörige in der Pflege: körperliche Belastung minimieren

Besonders wer einen bettlägerigen Angehörigen pflegt kennt die körperlichen Belastungen nur zu gut. Heben, Lagern oder auch der Transfer in den Rollstuhl, alle diese Tätigkeiten haben gemein, dass sie unheimlich viel physische Kraft erfordern und den Rücken stark belasten. Entsprechend fällt die Belastung für den pflegenden Angehörigen aus, was sich in Rückenbeschwerden, Schmerzen im Schultergürtel oder auch im Nacken zur Folge haben kann. Dies sind untrügliche Zeichen, dass es sich hierbei um mehr als einen Muskelkater handelt. Vielmehr ist es ein eindeutiges Signal, dass die Last für Ihren Körper zu hoch ist. Das kann körperliche Gründe haben, aber auch mit ungünstigen Hebetechniken zu tun haben. Nicht umsonst leiden auch viele ausgebildete Pflegekräfte unter den selben Symptomen.

Um diese Schmerzen effektiv zu bekämpfen bietet sich zuerst eine Weiterbildung im Bereich des Lagerns und Hebens an. Hierzu gibt es zum einen unzählige Videos, die die Technik sehr detailliert beschreiben, zum anderen werden auch immer wieder regional Kurse angeboten, besonders um pflegende Angehörige zu entlasten. Kommt ein ambulanter Pflegedienst ins Haus, kann auch eine der dortigen Pflegekräfte die richtige Hebetechnik zeigen, häufig sind diese sehr hilfsbereit.

Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit auf verschiedene Pflegehilfsmittel zum Transfer und Lagern zurückzugreifen. Beispielsweiße ein Patientenlift erleichtert den Transfer in den Rollstuhl erheblich und reduziert damit die Belastung des pflegenden Angehörigen maßgeblich. Liegt ein anerkannter Pflegegrad vor werden diese Hilfsmittel sogar von der Pflegekasse zur Verfügung gestellt oder ganz bezahlt.

Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit der sogenannten „Wohnraumanpassung“. Das bedeutet, dass Sie weitere Möglichkeiten haben das Wohnumfeld behindertengerecht zu gestalten. In der Praxis kann es sich dabei beispielsweiße um eine ebenerdige Dusche, einen Treppenlifte oder die Entfernung von Barrieren handeln. Diese Umbauten können die körperliche Belastung pflegender Angehöriger nochmals drastisch reduzieren und werden in Höhe von bis zu 4.000 € ebenfalls von der Pflegekasse übernommen.


Die psychische Belastung von pflegenden Angehörigen: effektiver Stressabbau

Neben den körperlichen Belastungen haben viele pflegende Angehörige auf Dauer auch mit psychischem Druck zu kämpfen. Die Ursachen sind meist klar: Zeitdruck, viele Vorgänge parallel zu organisieren, Zukunftsängste, und kaum Zeit für sich. Damit der pflegende Angehörige auch auf Dauer selbst gesund bleibt sollte hier bereits frühzeitig interveniert werden, wenn sich zu hohe Belastungen abzeichnen.

Oftmals ist es bereits heilsam sich mit anderen Menschen in der gleichen Situation auszutauschen und sich gegebenenfalls auch dort Tipps, Unterstützung und Hilfe bei der Pflege eines Angehörigen zu holen. In vielen Ortschaften gibt es mittlerweile sogenannte „Angehörigengruppen“ in den sich pflegende Angehörige zum Austausch treffen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Entspannungstechniken, die dabei helfen können besonders mit Stress und Druck umzugehen. Genannt werden sollten hier vor Allem Atem- und Meditationstechniken, die dabei unterstützen für den Moment etwas Ruhe und inneren Frieden zurückzugewinnen. Hier sollten Sie bestenfalls auf sich selbst hören: was entspannt mich? Wobei fühle ich mich wohl? Viele Menschen malen gerne zur Entspannung oder nehmen ein Kräuterbad. Besonders empfehlen möchten wir an dieser Stelle Comedy und Kabarett. Endlich mal wieder herzlich lachen ist Balsam für die Seele! Aber auch Tagebuch führen oder einfach nur ein par Minuten Musik auf den Ohren können wahre Wunder wirken.

Besonders wichtig ist jedoch vor Allem ehrlich selbst zu reflektieren. Sicher können Sie nicht alles perfekt machen und wenn Familie, Beruf und Pflege zusammen geleistet werden müssen, sind Kompromisse beinahe zwangsläufig. Machen Sie sich stattdessen Ihre eigenen Leistungen bewusst: was habe ich diese Woche besonders gut gemacht? Was alles habe ich meinem Verwandten ermöglicht? Was waren die schönen Momente in den letzten Tagen? Machen sie sich diese positiven Dinge regelmäßig bewusst und versuchen so einen gewissen Stolz auf Ihre Aufgabe zu entwickeln.

Nichtsdestotrotz kommt es immer wieder vor, dass es Angehörigen in der Pflege nicht mehr möglich ist mit den Belastungen allein umzugehen. Spätestens wenn oben beschriebene Symptome zum Dauerzustand werden sollte unbedingt auf professionelle Hilfe zurückgegriffen werden. Wenden Sie sich in besonders schweren Fällen unbedingt an einen Psychologen um mögliche Belastungen aufzudecken und zu behandeln.


Belastung Angehöriger reduzieren: Unterstützung in der Pflege

Wird die Pflege eines lieben Verwandten auf Dauer zur großen Belastung für die Angehörigen, sollte nach Unterstützungsangeboten Ausschau gehalten werden. Zuerst sollte überlegt werden, ob die Zuhilfenahme des ambulanten Pflegedienstes die Situation bereits verbessern kann. Hier werden zumindest die grundlegenden medizinischen Aufgaben übernommen, was die Angst vor Fehlern in der Pflege erheblich mindert.

Trotzdem können ambulante Dienste nur einen kleinen Teil der täglichen Pflege übernehmen. Besonders bei anspruchsvoller Pflege oder wenn eine Rund-um-Betreuung notwendig ist kann auch eine 24-Stunden-Pflege eine erhebliche Entlastung für Angehörige in der Pflege darstellen. Mit der 24-Stunden-Pflege werden die kräftezehrenden hauswirtschaftlichen Aufgaben übernommen und auch das Lagern und Heben wird erledigt. Damit ist vor Allem in körperlicher Hinsicht eine wesentliche Verbesserung möglich. Der größte Vorteil liegt jedoch vor Allem in der psychischen Entlastung. Pflegende Angehörige müssen sich forthin keine Sorgen mehr um die Betreuung und Pflege machen und wissen jederzeit eine helfende Hand an der Seite Ihres Verwandten. Die gemeinsame Zeit mit dem geliebten Menschen muss dann nicht mehr vollständig der Pflege geopfert werden, sondern es bleibt mehr Zeit für gemeinsame Gespräche, Unternehmungen oder schlichtweg ein wenig Kartenspielen.

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