Senioren diskutieren über Umzug ins Pflegeheim oder 24-Stunden-Pflege

Angehörige von Pflegebedürftigen Menschen stehen häufig vor einem Dilemma: Einen lieben Menschen in ein Pflegeheim geben oder Zuhause betreuen lassen, bspw. durch eine 24-Stunden-Pflege? Befragungen zeigen, dass die große Mehrheit der Senioren am liebsten, trotz Pflegebedürftigkeit, Zuhause leben möchte. Dennoch müssen auch die Interessen der Angehörigen berücksichtigt werden. Die Entscheidung für oder gegen eine Lösung ist dabei nicht immer leicht.


 


Die zentralen Unterschiede zwischen Pflegeheim und 24-Stunden-Pflege


Beide Pflegeformen unterscheiden sich in Umsetzung und Ausrichtung elementar. Während im Pflegeheim die medizinische korrekte Versorgung im Vordergrund steht, ist die 24-Stunden-Pflege auf einem ganzheitlichen Ansatz aufgebaut. Individualität spielt in einer stationären Einrichtung eine untergeordnete Rolle. Besondere Vorlieben oder Gewohnheiten können nur selten berücksichtigt werden, schließlich muss für alle Bewohner gleichermaßen gesorgt werden. Bei der 24-Stunden-Pflege dagegen wird die Betreuung individuell auf den Patienten angepasst.
Im Gegenzug können Pflegeheime mit einer großen Ausstattung an Hilfsmitteln und Geräten aufwarten, die das tägliche Leben erleichtern sollen. Bei der 24-Stunden-Pflege müssen die benötigten Hilfsmittel dagegen erst bei der Pflegekasse beantragt werden.

Besonders gravierend sind die Unterschiede zwischen Pflegeheim und 24-Stunden-Pflege beim Personal. In einem Pflegeheim muss eine Pflegekraft meist 10 bis 15 Menschen versorgen. Dadurch entstehen enormer Zeitdruck und letztlich wenig Raum für soziale Betreuung. In der 24-Stunden-Pflege ist die Situation deutlich entspannter. Hier versorgt eine Betreuungskraft lediglich einen bzw. zwei Patienten. Damit bleibt Zeit für Gespräche, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder auch mal eine Tasse Kaffee mit dem Patienten.

Allerdings ist es den Betreuungskräften bei der 24-Stunden-Pflege in der Regel nicht gestattet medizinische Dienstleistungen zu erbringen. Für das Setzen von Spritzen beispielsweiße muss dann ein ambulanter Pflegedienst hinzugezogen werden. Im Pflegeheim dagegen ist immer ein kleiner Anteil Pflegefachkräfte vor Ort, denen solche Leistungen erlaubt sind.

Große Unterschiede gibt es auch bei der Abrechnung. Während ein Pflegeheim über die Pflegesachleistung finanziert werden kann, ist die 24-Stunden-Pflege eine reine Privatleistung. Das bedeutet in der Praxis, dass lediglich das Pflegegeld und die Verhinderungspflege zur Finanzierung genutzt werden kann. Unter Umständen lässt sich zudem ein Teil der Kosten steuerlich geltend machen. Dennoch ist eine 24-Stunden-Pflege in der Regel deutlich günstiger als die Unterbringung in einem Pflegeheim.


Welche Vorteile bietet ein Pflegeheim?


Gegenüber der 24-Stunden-Pflege liegt der Vorteil bei einem Pflegeheim in der Bündelung der wichtigsten Ressourcen. Es können medizinische Dienstleistungen durchgeführt, viele Leistungen wie ein Friseur in Anspruch genommen werden. Auch Ärzte befinden sich meist in der Einrichtung oder kommen zur Sprechstunde vor Ort. Da ein Pflegeheim auf das Leben im Alter ausgelegt ist, finden die Bewohner hier bereits eine altersgerechte Ausstattung vor.


Wo liegen die Vorteile bei einer 24-Stunden-Pflege?


Die 24-Stunden-Pflege hat gegenüber dem Pflegeheim unzählige Vorteile. Zentral ist dabei die individuelle Betreuung in vertrauter Umgebung. Das gewohnte Umfeld kann erhalten bleiben und der tägliche Rhythmus muss sich nicht ändern. Aufgaben die noch selbstständig erledigt werden können, dürfen auch weiterhin selbst übernommen werden.

Besonders die soziale Betreuung unterscheidet sich elementar von der im Pflegeheim. Bei der 24-Stunden-Pflege sind gemeinsame Aktivitäten fester Bestandteil des Alltags. Wünscht der Patient einen Ausflug oder den Besuch bei Freunden, so begleitet die Betreuungskraft dorthin.
Mit Blick auf die Finanzierung ist auch der Kostenvorteil bei diesem Betreuungsmodell nicht unerheblich. Eine 24-Stunden-Pflege kostet zwischen 1.500 und 2.500 Euro monatlich und kann durch Pflegegeld und Verhinderungspflege finanziert werden. Je nach Pflegegrad bleiben ca. 1.000 Euro monatlich, für die der Patient selbst aufkommen muss. Ein Platz im Pflegeheim kostet dagegen durchschnittlich 1.700 Euro Eigenanteil.

Wer vor der Entscheidung steht ob Pflegeheim oder 24-Stunden-Pflege sollte im Vorfeld mit dem Angehörigen sprechen und dessen Wünsche berücksichtigen. Bevor die endgültige Entscheidung fällt, kann ein unverbindliches Personalangebot von Vorteil sein. So können Sie und der Gepflegte sich ein Bild machen, welche Person die Pflege zukünftig übernehmen würde.