Pflegeheimbewohnerin spricht mit Angehörigen über Zuzahlung

In Deutschland gibt es über 11.000 Alten- und Pflegeheime mit über 700.000 Bewohnern. Für viele davon waren die vergangenen Jahre in finanzieller Hinsicht schmerzlich, denn seit Jahren steigt die Zuzahlung für den Platz in einer Pflegeeinrichtung enorm an. Inzwischen liegt die Zuzahlung für ein Pflegeheim durchschnittlich bei 2.015 Euro pro Monat, so der Verband der Ersatzkassen. Die eigentlichen Kosten für einen Pflegeplatz sind in Wahrheit sogar noch deutlich höher, doch die Pflegeversicherung übernimmt bereits im Vorfeld einen großen Teil.


Warum steigt die Zuzahlung für einen Platz im Pflegeheim?

Steigende Zuzahlungen für Alten- und Pflegeheime sind kein neues Phänomen. Seit mehreren Jahren nimmt der Eigenanteil bei den Heimkosten konstant zu. Die Corona-Pandemie und damit verbundene Mehrkosten für bspw. Tests und zusätzliches Personal hat die Heimkosten besonders stark steigen lassen. Lag die durchschnittliche Zuzahlung 2018 noch bei rund 1.800 Euro, wurden im aktuellen Jahr bereits über 2.000 Euro monatlich fällig.

Wie setzen sich die Kosten für ein Pflegeheim zusammen?

Pflegeheimkosten setzen sich in Deutschland aus vier Bereichen zusammen:

Pflege

Die Pflege macht einen großen Teil der Kosten für einen Pflegeheimplatz aus. Die Preise richten sich in der Regel nach dem Pflegegrad. In den meisten Fällen wird der größte Anteil davon über die Pflegeversicherung gedeckt.

Unterkunft

Für die Unterkunft im Pflegeheim muss ebenfalls eine Zuzahlung geleistet werden. Diesen Kostenpunkt kann man vergleichen mit der Miete, die man auch für eine Wohnung aufbringen muss.

Verpflegung

Lebt man allein, müssen Nahrungsmittel und Getränke selbst beschafft und bezahlt werden. Im Pflegeheim werden diese Dinge durch die Einrichtung gestellt. Dafür wird den Bewohnern ein monatlicher Beitrag berechnet.

Investitionskosten

Der Betreiber eines Pflegeheims muss für Neubauten, Renovierungen oder Brandschutzmaßnahen regelmäßige Investitionen tätigen. Diese Kosten werden auf den Preis für den Pflegeheimplatz umgelegt.

Ausbildungsumlage

Neben den oben genannten Posten ist es möglich, dass der Heimbetreiber die Kosten für die Ausbildung neuer Pflegekräfte auf alle Bewohner umlegt. Wird eine Ausbildungsumlage neu eingeführt, muss der Betreiber diese Erhöhung jedoch schriftlich begründen.

 


Reformen und demografische Entwicklung lassen Zuzahlung in Heimen steigen


Die Ursachen für steigende Zuzahlungen sind im Einzelfall sehr individuell und können von Pflegeheim zu Pflegeheim sehr unterschiedlich sein. Grundsätzlich sind die Löhne in Pflegeberufen durch Tarifverträge und allgemeine Personalnot in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Hinzu kommt, dass ab 2021 schrittweise ein von Ver.Di initiierter Tarifvertrag gilt, durch den die Löhne weiter erhöht werden.

Besonders die demografische Entwicklung wird die Zuzahlung in Heimen voraussichtlich weiter steigen lassen. Während immer mehr Pflegekräfte das Rentenalter erreichen, mangelt es an ausgebildetem Nachwuchs. Um das verbleibende Pflegepersonal entbrennt bereits heute in vielen Regionen ein starker Wettbewerb, der nicht zuletzt über attraktivere Löhne geführt wird.

Auch die immer stärkeren Dokumentationspflichten haben in den vergangenen Jahren den Aufwand für die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen erhöht. Hinzu kommen Maßnahmen, die aufgrund der Corona-Pandemie getroffen werden mussten. Dazu zählen beispielsweiße Tests oder das Vorhalten von zusätzlichem Personal, um eventuelle Ausfälle aufgrund des Coronavirus zu kompensieren.

Zusätzlich bereitet die Reform der Pflegeausbildung vielen Heimbetreibern Sorgen vor steigenden Kosten für die Ausbildungsanteile, die nicht selbst abgedeckt werden können.


Was passiert, wenn ich die Zuzahlung fürs Pflegeheim nicht aufbringen kann?

Immer öfter kommt es vor, dass Bewohner nicht mehr in der Lage sind mit Ersparnissen, Rente und Pflegegeld die Zuzahlung für einen Platz im Pflegeheim zu stemmen. Dann wurden bislang häufig die Angehörigen zur Übernahme der Kosten herangezogen (vgl. Elternunterhalt). Das hat sich im vergangenen Jahr jedoch massiv geändert. Inzwischen müssen Kinder die Heimkosten für Eltern nur noch übernehmen, wenn das Jahreseinkommen über 100.000 Euro liegt.

Fehlende finanzielle Möglichkeiten werden inzwischen meist über die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ ausgeglichen. Hierbei handelt es sich um eine Sozialleistung, die vor der Reform des Elternunterhalts nur in wenigen Fällen genutzt werden konnte.


Alternativen zum Pflegeheim sind oftmals günstiger

Für die Versorgung eines Angehörigen ist ein Pflegeheim oftmals nicht die einzige Lösung. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Angeboten, die nicht nur deutlich günstiger sind, sondern auch hinsichtlich der Versorgungsqualität ein ähnliches hohes Niveau bieten.

Die verbreitetsten Alternativen sind:

 

24-Stunden-Pflege

Bei einer 24-Stunden-Pflege lebt eine Betreuungskraft, meistens aus Osteuropa, direkt im Haushalt der zu betreuenden Person und kümmert sich umfassend um deren Bedürfnisse.

  • Kosten: ungefähr 1.800 bis 3.000 Euro
  • monatl. Zuzahlung (abhängig vom Pflegegrad) 900 bis 1.900 Euro

 

Tagespflege

Unter einer Tagespflege wird eine Einrichtung verstanden, in der pflegebedürftige Senioren den Tag verbringen und dort professionell versorgt werden. Diese Form eignet sich vor allem dann, wenn Angehörige in der Nähe leben und nachts die Pflege übernehmen können.

  • Kosten: ungefähr 70 bis 120 Euro pro Tag
  • Kostenübernahme bis zu 2.000 Euro monatlich (abhängig vom Pflegegrad)

 

Ambulanter Pflegedienst

Ambulante Pflegedienste sind sehr weit verbreitet und übernehmen in der Regel die medizinische Versorgung von Pflegebedürftigen Zuhause. Die Kosten werden direkt über die Pflegesachleistung getragen. Ist das Budget ausgeschöpft, muss aus eigenen Mitteln finanziert werden.

  • Kosten: abhängig vom Leistungsspektrum
  • Kostenübernahme bis zu 1.995 Euro monatlich (abhängig vom Pflegegrad)