Angehörige macht sich Checkliste für Pflege zu Hause

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Waren 1999 noch etwas mehr als 2 Millionen Menschen pflegebedürftig, sind es 20 Jahre später schon 3,4 Millionen. Ein Großteil der Familien bevorzugt die Pflege zu Hause. Für diese Angehörigen haben wir eine kurze Checkliste zusammengestellt mit den wichtigsten Schritten für die Organisation einer häuslichen Versorgung.


 


Schritt 1: Pflegebedürftigkeit bestätigen lassen


Pflegebedürftigkeit hat neben den persönlichen Aspekten auch eine rechtliche Seite. Wird der Unterstützungsbedarf offiziell durch die Krankenkasse (bzw. Pflegeversicherung) festgestellt, erwachsen daraus teils erhebliche finanzielle Ansprüche. Das gilt insbesondere für die häusliche Pflege. Der erste und wichtigste Schritt auf dieser Checkliste ist daher die Beantragung eines Pflegegrades. Dieser wird nach einer Meldung an die Pflegeversicherung vom MDK festgestellt und berechtigt zum Bezug von Pflegegeld bzw. -sachleistung und vielen weiteren Förderungen und Zuschüssen.


Schritt 2: Unterstützungsbedarf feststellen


Ist der Pflegegrad beantragt und der MDK war vor Ort, gilt es zu klären welche Aufgaben von den Angehörigen übernommen werden müssen und wer im Stande ist das zu leisten. Meist sind die Familienmitglieder selbst berufstätig oder leben nicht in direkter Nähe. Dann sollte über die Beauftragung professioneller Dienstleister nachgedacht werden. Wichtig für die Frage nach einer guten Pflege zu Hause ist dabei die Frage ob lediglich eine Betreuung und hauswirtschaftliche Unterstützung notwendig ist, oder ob auch medizinische Leistungen erbracht werden müssen.
Auf einer Checkliste für die häusliche Pflege darf daher weder der ambulante Pflegedienst, noch die Option eine Betreuungskraft aus Osteuropa zu beauftragen fehlen. Welche Option geeignet ist oder ob eine Kombination sinnvoll ist, muss dabei individuell entschieden werden.
 


Schritt 3: Finanzierung der Pflege zu Hause klären


Die Pflegeversicherung wird immer wieder als Teil-Kasko-Absicherung bezeichnet. Der Begriff umschreibt recht treffend die Leistungen der Kassen. Weder mit der Pflegesachleistung noch mit dem Pflegegeld lassen sich die gesamten Kosten für die häusliche Pflege decken. Letztlich bleibt immer ein Eigenanteil, der vom Pflegebedürftigen bzw. der Familie getragen werden muss. Die Höhe richtet sich dabei in erster Linie nach Pflegegrad und Leistungsumfang, der in Anspruch genommen wird.


Schritt 4: Wohnumfeld auf Eignung überprüfen


Noch immer ist ein großer Teil der Immobilien in Deutschland nur bedingt pflege- bzw. seniorengerecht. Glücklicherweise wird jedoch von der Pflegeversicherung ein Großteil der Kosten für Umbauten übernommen und viele Hilfsmittel sind kostenlos oder mit geringer Zuzahlung zu haben. Bei der Einschätzung welche Hilfen sinnvoll sind hilft unter Anderem das Pflegegutachten des MDK aus Schritt 1. Letztlich sollte jedoch immer die individuelle Situation bedacht werden. Im Zweifelsfall hilft hier eine professionelle Beratung vor Ort. Da die Zahl möglicher Hilfsmittel ohnehin schwer überschaubar ist, können so auch neue Anregungen und Ideen gewonnen werden.


Schritt 5: Weiterbilden und Schulungsangebote wahrnehmen


Durch Reformen der vergangenen Jahre haben Angehörige die Möglichkeit bekommen kostenlos diverse Schulungs- und Bildungsangebote im Bereich der Pflege wahrzunehmen. Die Kosten werden von der Krankenversicherung getragen. Außerdem stehen umfangreiche Beratungsangebote zur Verfügung. Die Pflege ist ein komplexes Themengebiet und es kommt immer wieder zu Neuerungen. Hier auf dem Laufenden zu bleiben kann letztlich bares Geld sparen, weshalb dieser Punkt in unserer Checkliste zur häuslichen Pflege unbedingt Erwähnung finden muss.


Sorgfältige Organisation entscheidend für liebevolle Pflege zu Hause


Mit dieser Checkliste erhalten Sie erste Anhaltspunkte zum groben Organisationsablauf. Dennoch kann die individuelle Situation weitere Maßnahmen erforderlich machen. Wichtig ist in erster Linie, dass Sie strukturiert vorgehen und besonnen mit der Situation umgehen. Denken Sie dabei stets auch an Ihre eigenes Befinden und greifen auf professionelle Unterstützung zurück, wenn Sie feststellen, dass die Pflege des Angehörigen zur großen Belastung wird.