Betreuungsverfügung verfassen: Die wichtigsten Tipps und rechtlichen Aspekte

Familie bespricht Betreuungsverfügung

Im Laufe des Lebens können Schicksalsschläge wie Krankheit oder ein Unfall dafür sorgen, dass man nicht mehr in der Lage ist, unabhängig zu handeln. Dennoch haben die meisten Menschen Wünsche und Vorstellungen, was in diesem Fall passieren soll und wer die Betreuung übernimmt.

Um sicherzustellen, dass dann im eigenen Sinne gehandelt wird, gibt es die Möglichkeit, eine Betreuungsverfügung oder Betreuungsvollmacht aufzusetzen.

Letztlich bietet eine Betreuungsverfügung Ihnen die Möglichkeit, für den Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit vorzusorgen und sicherzustellen, dass Ihre Werte und Präferenzen respektiert werden. Wenn Sie eine Betreuungsverfügung erstellen, legen Sie die Kontrolle über Ihre Zukunft in Ihre eigenen Hände und erleichtern Ihren Angehörigen schwierige Entscheidungen zu treffen.


Was kann mit einer Betreuungsverfügung festgelegt werden?

Eine Betreuungsverfügung ermöglicht es Ihnen, im Voraus festzulegen, welche Person oder Personen im Falle Ihrer eigenen Entscheidungsunfähigkeit die Betreuung übernehmen sollen. Dies beinhaltet nicht nur die Auswahl des Betreuers, sondern auch konkrete Anweisungen zur medizinischen Versorgung, finanziellen Entscheidungen und anderen wichtigen Belangen. Indem Sie diese Entscheidungen im Voraus treffen, stellen Sie sicher, dass Ihre Präferenzen und Werte respektiert werden, auch wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, sie zu äußern.

Durch die präzise Festlegung Ihrer Wünsche können Missverständnisse vermieden und Konflikte innerhalb Ihrer Familie oder zwischen Ihren Angehörigen und dem Betreuer reduziert werden. Eine Betreuungsverfügung gibt Ihnen also die Möglichkeit, die Kontrolle über Ihre Zukunft in Ihren eigenen Händen zu behalten.

Festlegungen in einer Betreuungsverfügung

Eine Betreuungsverfügung oder Betreuungsvollmacht ermöglicht es, genau festzulegen, wen das Gericht zum gesetzlichen Betreuer bestellen soll und wer dafür nicht in Frage kommt. Darüber hinaus können in der Betreuungsverfügung weitere Angaben gemacht werden, beispielsweise die Präferenz, zu Hause gepflegt zu werden oder die bevorzugte Unterbringung in einem Pflegeheim.

Des Weiteren können sowohl der Umfang der Betreuung als auch konkrete Aufgaben in der Betreuungsverfügung festgehalten werden. Ebenso lassen sich finanzielle und medizinische Aspekte darin regeln.

Aufgaben und bindende Wirkung

Aufgaben eines gesetzlichen Betreuers

Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht erlangt die Betreuungsverfügung nicht direkt bindende Wirkung. Zunächst muss auf eigenen Wunsch oder auf Anordnung des Gerichts eine rechtliche Betreuung bestellt werden. Erst wenn das Gericht die Betreuungsvollmacht geprüft und den gewünschten Betreuer bestellt hat, ist die Betreuungsverfügung in gültig.

 

Die Betreuungsverfügung bietet somit die Möglichkeit, im Voraus präzise Festlegungen für den Fall zu treffen, dass eine rechtliche Betreuung erforderlich wird. Sie dient als wichtige Grundlage, um sicherzustellen, dass im Ernstfall die eigenen Wünsche und Vorstellungen berücksichtigt werden. Daher ist es ratsam, diese Verfügungen frühzeitig zu erstellen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.

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Welche Personen eignen sich als Betreuer?

Die Wahl des Betreuers ist von entscheidender Bedeutung und sollte mit Bedacht getroffen werden. Idealerweise sollte es sich um eine Person handeln, der Sie vertrauen und die in der Lage ist, die Verantwortung der Betreuung zu übernehmen. Dies kann ein Familienmitglied, ein guter Freund oder auch ein professioneller Betreuer sein. Wichtige Kriterien sind Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, im besten Interesse des Betreuten zu handeln.

Es ist ratsam, vorab mit potenziellen Betreuern zu sprechen, um sicherzustellen, dass sie sich der Verantwortung bewusst sind und bereit sind, diese zu übernehmen. Eine offene Kommunikation und das Verständnis Ihrer Wünsche sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die ausgewählte Person im Einklang mit Ihren Vorstellungen handeln wird.

In der Betreuungsverfügung legen Sie eine oder mehrere Personen fest, die in Ihrem Namen handeln sollen. Das Gericht ist jedoch nicht verpflichtet, diesem Wunsch zu entsprechen, wenn es die gewünschte Person für nicht geeignet erachtet. Grundsätzlich kann jede volljährige Person zum Betreuer bestellt werden. Sind keine geeigneten Angehörigen vorhanden, beauftragt das Gericht einen Berufsbetreuer.

Ein Betreuer muss dabei folgende Anforderungen erfüllen:

  • Selbst geschäftsfähig
  • Keine Eintragung im Schuldnerregister
  • Ohne Vorstrafen
  • Mindestens 18 Jahre alt
  • In der Lage sein die Betreuung zu leisten (Nähe zur betreuten Person, die Deutsche Sprache beherrschen usw.)

Wann tritt eine Betreuungsvollmacht in Kraft?

Eine gesetzliche Betreuung umfasst alle Angelegenheiten, die für das selbstständige Leben notwendig sind. Das bedeutet in der Praxis bspw. die Erledigung von Schriftverkehr mit Ämtern, Behörden oder auch Banken. Gleichzeitig kann der Betreuer auch über den Aufenthaltsort und finanzielle Angelegenheiten entscheiden.

 


Wo wird eine Betreuungsverfügung hinterlegt?

Eine Betreuungsverfügung kann beim Betreuungsgericht, einem Teil des örtlichen Amtsgerichts, hinterlegt werden. Im Idealfall lassen Sie die Betreuungsverfügung zunächst von einem Notar beglaubigen. In der Regel kostet das zwischen 30 und 100 Euro. Auf Wunsch kann das Dokument dann zusätzlich noch in das zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer eingetragen werden.

Die sorgfältig erstellte Betreuungsverfügung sollte außerdem an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, der im Falle Ihrer Unfähigkeit schnell zugänglich ist. Es ist wichtig, dass Ihre Familie und Ihre engsten Vertrauten über die Existenz und den Aufbewahrungsort der Betreuungsverfügung informiert sind. Darüber hinaus kann es ratsam sein, zusätzliche Kopien bei Ihrem Anwalt, Hausarzt oder anderen relevanten Personen zu hinterlegen.

Eine Betreuungsverfügung, die im entscheidenden Moment nicht gefunden werden kann, könnte dazu führen, dass Ihre präferierten Entscheidungen nicht umgesetzt werden. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Verfügbarkeit und der Aufbewahrungsort Ihrer Betreuungsverfügung klar kommuniziert werden.

Die Hinterlegung der Betreuungsverfügung an einem gut überlegten und sicheren Ort gewährleistet, dass im Ernstfall schnell auf das Dokument zugegriffen werden kann und die darin festgehaltenen Wünsche und Anweisungen rechtlich bindend umgesetzt werden können.

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Betreuungsverfügung selbst verfassen oder Anwalt beauftragen?

Die Erstellung einer Betreuungsverfügung erfordert eine sorgfältige rechtliche und medizinische Abwägung, um sicherzustellen, dass alle relevanten Aspekte ordnungsgemäß berücksichtigt werden. Während es möglich ist, eine Betreuungsverfügung selbst zu verfassen, kann die Beauftragung eines Anwalts oder einer Anwältin dazu beitragen, sicherzustellen, dass alle rechtlichen Anforderungen erfüllt und potenzielle Unklarheiten vermieden werden.

Professionelle rechtliche Beratung kann auch dabei helfen, eventuelle Fallstricke zu umgehen und sicherzustellen, dass die Betreuungsverfügung juristisch haltbar ist. Letztendlich ist es wichtig zu bedenken, dass eine sorgfältig ausgearbeitete Betreuungsverfügung die Wirksamkeit und die Durchsetzbarkeit Ihrer Wünsche im Falle Ihrer eigenen Entscheidungsunfähigkeit sicherstellt.

Grundsätzlich kann jede Person eine Betreuungsverfügung eigenständig verfassen und beim Betreuungsgericht hinterlegen. Es ist jedoch ratsam, zumindest auf eine professionelle Vorlage zurückzugreifen. Innerhalb verschiedener Online-Dienste sind Betreuungsverfügungen bereits ab ca. 20 Euro erhältlich. Diese Vorlagen sind auf die rechtlichen Anforderungen abgestimmt und können individuell ausgefüllt werden.

Abgesehen von der Eigeninitiative besteht auch die Möglichkeit, einen Anwalt oder Notar mit der Erstellung der Betreuungsverfügung zu beauftragen. Auch wenn dies mit höheren Kosten verbunden ist – in der Regel verlangen Anwälte und Notare einige hundert Euro Honorar – kann dies in komplexen Fällen oder bei sehr spezifischen Wünschen in Bezug auf die Betreuungsvollmacht sinnvoll sein. Durch die professionelle Beratung kann sichergestellt werden, dass die Betreuungsverfügung den individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen entspricht und rechtlich korrekt formuliert ist.


Wann sollte eine Betreuungsvollmacht erstellt werden?

Die Erstellung einer Betreuungsverfügung ist ein wichtiger Schritt, der nicht auf die lange Bank geschoben werden sollte. Idealerweise sollte eine Betreuungsverfügung bereits dann erstellt werden, wenn man noch bei vollem Bewusstsein ist und keine akuten gesundheitlichen Probleme vorliegen. Es ist bedeutend einfacher, solche Entscheidungen zu treffen, solange Sie gesund und bei klarem Verstand sind. Plötzliche Erkrankungen wie Demenz oder ein Schlaganfall könnten auftreten und die Fähigkeit, Entscheidungen bezüglich Ihrer eigenen Betreuung zu treffen, beeinträchtigen. Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass Ihre Präferenzen und Wünsche klar dokumentiert und rechtlich bindend festgelegt sind.

Selbstverständlich ist es nach §104 BGB möglich, eine Betreuungsverfügung auch nach Verlust der Geschäftsfähigkeit selbst zu verfassen. Jedoch ist es ratsam, sich bereits frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Sobald eine Betreuungsverfügung niedergeschrieben wurde, empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob die festgehaltenen Wünsche noch mit Ihrer aktuellen Situation übereinstimmen. Lebensverändernde Ereignisse wie Heirat, Scheidung, die Geburt von Kindern oder Enkeln, aber auch der Tod einer benannten Person könnten eine Anpassung Ihrer Betreuungsverfügung erforderlich machen. Dies stellt sicher, dass im Ernstfall alle Entscheidungen in Ihrem Sinne getroffen werden können.

Es ist auch sinnvoll, sich frühzeitig mit potenziellen Betreuern zu besprechen und gegebenenfalls eine Vorsorgevollmacht zu erteilen. Dabei können Sie sicherstellen, dass im Fall der Fälle die richtigen Personen für Sie entscheiden und handeln können.

Denken Sie daran: Je früher Sie sich mit dem Thema Betreuungsverfügung auseinandersetzen, umso besser können Sie vorausschauend handeln und sicherstellen, dass im Ernstfall alles nach Ihren Wünschen geregelt wird.