ukrainische Pflegekraft betreut deutschen Rentner

Laut Schätzungen des VHBP e.V. arbeiten rund 700.000 osteuropäische Pflegekräfte in Deutschland. Ein Großteil dieser 24-Stunden-Pflegekräfte stammt traditionell aus EU-Ländern wie Polen, Tschechien oder Ungarn. Doch inzwischen nimmt auch der Anteil von Betreuungskräften aus Nicht-EU-Ländern zu, vor allem aus der Ukraine.


 


Warum steigt der Anteil ukrainischer Pflegekräfte?


Die politische und ökonomische Situation in der Ukraine ist seit den Protesten im Jahr 2013 schwieriger geworden. Viele Menschen haben seitdem das Land verlassen und sind nach Polen ausgewandert. Hier sind die Arbeitskräfte aus der Ukraine willkommener Ersatz für viele Polen, die in Deutschland arbeiten oder ebenfalls ausgewandert sind.

Vereinfachte Bestimmungen und ein Assoziierungsabkommen haben in den vergangenen Jahren die Bedingungen sowohl für den Einsatz von Pflegekräften aus der Ukraine als auch von Ukrainern, die in Polen leben deutlich vereinfacht. Entsprechend werden auch ukrainische Pflegekräfte immer häufiger in Deutschland eingesetzt, besonders in der 24-Stunden-Betreuung.


Ukrainer ersetzen immer öfter polnische Kollegen


Durch den erleichterten Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt und die guten Gehaltsaussichten ist eine Stelle in der 24-Stunden-Pflege für viele Pflegekräfte aus der Ukraine sehr attraktiv. Hinzukommt, dass in Polen die Löhne sich weiter dem westeuropäischen Niveau annähern und daher viele Einheimische nicht mehr Ausland arbeiten möchten. Außerdem hat der Brexit viele Polen in Großbritannien veranlasst in ihre Heimat zurückzukehren.

Für die emigrierten Ukrainer bedeutet, dass eine zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Besonders stark sind Pflegeberufe davon betroffen. Entsprechend wechseln viele in die häusliche Betreuung.

In der Ukraine selbst ist die Situation für viele Menschen schwieriger geworden und im Osten des Landes schwelt seit Jahren ein ungelöster Konflikt. Viele Pflegekräfte nutzen daher die neuen Bestimmungen zur Arbeit in der EU und suchen eine Stelle in der 24-Stunden-Betreuung.


Einsatz ukrainischer Pflegekräfte wirkt sich positiv auf den Markt aus

Während der Bedarf nach 24-Stunden-Pflege in Deutschland und anderen europäischen Ländern gestiegen ist, wurde eine Arbeit im Ausland für viele Polen immer unattraktiver. Für Pflegekräfte aus der Ukraine dagegen sind Verdienstmöglichkeiten in Deutschland dagegen noch immer sehr interessant. Hinzu kommt, dass viele Ukrainer sich Westeuropa kulturell und vor allem politisch näher fühlen als den russischen Nachbarn.

Für die Pflege in Deutschland ist das ukrainische Personal eine echte Entlastung. „Die Nachfrage nach häuslicher 24-Stunden-Pflege hat durch die Corona-Krise nochmal einen Schub erfahren.“, stellt Julius Kohlhoff, Geschäftsführer der Pflegehilfe für Senioren, fest. Entsprechend werden die zusätzlichen Betreuungskräfte dringend benötigt.


Ukrainische Pflegekräfte etwas günstiger als polnisches Personal


Zwar gilt für alle entsendeten Arbeitnehmer der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland, dennoch sind ukrainische 24-Stunden-Pflegekräfte meist etwas günstiger. Das liegt vor allem daran, dass viele polnische Kräfte bereits heute deutlich über Mindestlohn verdienen und immer seltener bereit sind in Deutschland zu arbeiten. Für viele Familien ist jedoch eine Betreuungskraft mit höheren Gehaltsvorstellungen nicht finanzierbar.

Aufgrund des Unterschieds in den Lebenshaltungskosten sind die Wünsche ukrainischer Pflegekräfte meist etwas geringer. Dadurch kann eine bezahlbare Pflege angeboten werden.


Entsendung von Ukrainern inzwischen deutlich vereinfacht


Die rechtliche Situation bei Pflegekräften aus der Ukraine ist etwas komplizierter als bei EU-Bürgern. Grundsätzlich benötigen ukrainische Staatsbürger ein Arbeitsvisum für Deutschland. Dieses kann in der deutschen Botschaft in Kiew beantragt werden, erfordert allerdings eine Vorlaufzeit von bis zu 6 Monaten.

Um den Einsatz von ukrainischem Personal zu vereinfachen wurden verkürzte Verfahren geschaffen:

Vereinfachtes Visum für ukrainische 24-Stunden-Pflegekräfte

  1. Vander-Elst-Visum
  2. Für Ukrainische Pflegekräfte, die in Polen beschäftigt sind, gibt es die Möglichkeit ein vereinfachtes Visum (sog. Vander-Elst-Visum) zu beantragen. Dieser Prozess dauert nur ungefähr so lange wie die Ausstellung einer A1-Bescheinigung (die trotzdem benötigt wird).

  3. langfristige Aufenthaltsberechtigung
  4. Ukrainer, die bereits seit längerem in Polen leben sind sogar gänzlich von der Visumspflicht nach Vander-Elst befreit. Als langfristig aufenthaltsberechtigt gilt, wer seit mindestens 5 Jahren ununterbrochen legal in einem EU-Land gelebt hat.

 


Was spricht für eine Pflegekraft aus der Ukraine?


Pflegekräfte aus der Ukraine sind für viele Familien eine gute Lösung, wenn eine bezahlbare Betreuung benötigt wird. Daneben berichten viele Familien, dass Pflegekräfte aus der Ukraine besonders motiviert und einfühlsam sind.

Worauf Familien jedoch achten sollen, wenn Sie sich für eine Betreuung aus der Ukraine entscheiden ist die Auswahl eines seriösen Vermittlers, der sich gewissenhaft um die notwendigen Formalitäten kümmert.